IKT und nachhaltiges Lernen

Roger Pettersson (Universität Uppsala) beschäftigt sich in seinem Vortrag Welche Beiträge leistet die Informations- und Kommunikationstechnologie im Hinblick auf wirkungsvolle Lehr- und Lernprozesse? (2006) mit den Grundsätzen nachhaltigen Lernens in Verbindung mit IKT-Elementen.

Folgende Grundsätze stellt Pettersson für eine gute Unterrichtspraxis auf: es wird der Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden, die Zusammenarbeit zwischen den Lernenden und das aktive Lernen gefördert. Guter Unterricht zeichne sich aber auch dadurch aus, dass ein schnelles Feedback erfolgt und die  für eine bestimmte Aufgabe angesetzte Zeit berücksichtigt wird. Außerdem werden hier hohe Erwartungen kommuniziert, gleichzeitig aber die heterogenen Begabungen der Lernenden respektiert und unterschiedliche Lernformen unterstützt.

Durch IKT-Elemente (wie Videokonferenzen, multimediale Online-Lernprogramme usw.) können  laut Pettersson die oben angeführten Grundsätze guten Unterrichts unterstützt werden, indem diese

  • den Dialog und die Interaktion zwischen den Lernenden sowie dem Lehrenden erleichtern
  • kollaboratives Lernen fördern und die Lernenden sich als Bestandteil einer Lerngruppe erleben lassen
  • den Zeitaufwand für administrative Aufgaben zugunsten pädagogischer Fragen reduzieren
  • individuelle Formen des Lernens unterstützen
  • den lehrerzentrierten Fokus auf die Lernenden verlagern
  • ein rasches, qualifiziertes Feedback unterstützen
  • wichtige allgemeine Fähigkeiten wie Informationsrecherche und Präsentationstechniken entwickeln helfen
  • die Beurteilung und die Evaluierung von Lernprozessen erleichtern
  • usw.

Das Problem ist m. E. nur, dass all diese positiven Potentiale in unserem doch eher nach wie vor traditionell ausgerichteten pädagogischen Kontexten gar nicht ausgeschöpft werden können und auch bspw. viele Lernprogramme gar nicht diesen Anforderungen genügen (vgl. die Studie des Adolph-Grimme-Instituts). Der Versuch, in die ohnehin übervollen Lehrpläne noch zusätzlich IKT-Elemente einzubauen, scheint schon von vornherein zum Scheitern verurteilt und löst dann eben doch nur Frust aus. Erst wenn sozusagen der pädagogisch-didaktische Rahmen so gestaltet ist, dass IKT – Elemente nicht Zusatz, sondern Basis für Lernprozesse sind, können diese gewinnbringend und sinnvoll genutzt werden. Vermutlich wäre eine gute Mischung von IKT-Elementen und traditionellen Unterrichtsformen die praktikabelste Lösung. Dafür wäre aber eine wirkliche Zustandsanalyse erforderlich und ein schrittweiser Umbau der Unterrichtspraxis…

Siehe auch folgenden Blog zu IKT und Französisch-Unterricht.

Internet – positive Effekte?

Der (übermäßigen) Nutzung des Internets werden ziemlich negative Auswirkungen auf unsere kognitiven Fähigkeiten zugeschrieben. So behauptet bspw. Nicholas Carr in seinem Essay Is google making us stupid?, erschienen 2008 im Atlantic Magazine, dass es ihm aufgrund seiner intensiven Internetnutzung unmöglich sei, ein Buch bis zu Ende zu lesen. Als Ursache vermutet er, dass durch den digitalen Medienkonsum seine „neuronale Verdrahtung“ verändert worden ist. Auch Wissenschaftler, wie die britische Gehirnspezialistin Susan Greenfield, äußern ihre Bedenken. Laut Greenfield könnten die kommenden Generationen unter dem Einfluss des Internets und Cyberspace ihre persönliche Identität und ihre Fähigkeit zur Empathie verlieren. Viele Studien aus den 90er Jahren kommen zu einem ähnlichen Ergebnis, nämlich das intensive Internetnutzung mehrheitlich negative Effekte auf die Sozialbeziehungen von Heranwachsenden besitzt.

Dem gegenüber stehen neuere von Patti Valkenburg und Jochen Peter (Universität Amsterdam) ausgewertete Studien, in denen dem Internet durchaus positive Effekte  attestiert werden. Laut diesen Studien können Heranwachsende sozial und intellektuell von digitalen Medien profitieren, indem durch das Internet die soziale Verbundenheit gestärkt und gleichzeitig auch das Wohlbefinden der User erhöht werde. Als Ursachen für diesen Paradigmenwechsel werden folgende Überlegungungen angeführt:

  • Während früher jugendliche Internet-User als kleine isolierte Gruppe vornehmlich mit Fremden kommunizierten, werden die sozialen Netzwerke heute von einer Mehrheit der Heranwachsenden vor allem für den Austausch unter Freunden genutzt.
  • Gleichzeitig können durch das Internet Gefühle, Gedanken und Unsicherheiten online offenbart werden. Vor allem (männliche) Jugendliche, die sich damit in der Face to Face – Kommunikation schwertun, bietet sich dadurch die Möglichkeit, Freundschaften zu vertiefen und insgesamt erfüllender zu gestalten.

Auch die McArthur Foundation, die eine der umfangreichsten US-amerikanischen Studien zur Internetnutzung durchgeführt hat, kommt zu einem ähnlich positiven Ergebnis. Untersucht wurde über einen Zeitraum von 3 Jahren das User-Verhalten von insgesamt 800 Heranwachsenden. Aus den Interviews, Internettagebüchern usw. lassen sich folgende Ergebnisse eruieren:

  • Durch das Nutzen von sozialen Netzwerken können  Heranwachsende wichtige intellektuelle, technische und soziale Fertigkeiten erwerben.
  • Die Motivation von Peers zu lernen oder sich in spezifische Interessengebiete einzuarbeiten, ist bei den Usern sehr hoch. Diese nutzen hierfür intensiv die selbstgesteuerte Informationssuche.

Nichtsdestotrotz wird aber auch in all diesen Studien betont, dass bei weitem nicht alle Jugendlichen das Internet auf diese Art und Weise benutzen. Erinnert sei an Onlinebeleidigungen, Cyberbullying, die fehlende Kontrolle der eigenen Internetidentität oder Plattformen wie die Anorexie verherrlichende „Pro Ana“ – Bewegung usw. Gerade hier sind sicher die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten und nicht zuletzt auch die Schulen gefragt, die diesen negativen Effekten usw. entgegenwirken müssen und können.

Posttypographische Bildungsideale II

Nun zu den eigentlichen posttypographischen Bildungsidealen selbst, die Michael Giesecke in seinem Aufsatz Auf der Suche nach posttypographischen Bildungsidealen (2005) zusammengestellt hat. Diese stellt er dem typographischen Wissenschafts- und Wissensschöpfungsideal, das sich mit unserer Buchkultur entwickelt hat und in dem auch wir uns ja nach wie vor (zumindest meistens) bewegen. Die wichtigsten Veränderungen sollen im Folgenden kurz aufgeführt werden:

  • Während bisher vor allem hierarchische und lineare Organisation das Wissenschöpfungsideal prägen, dominieren in der posttypographischen Zeit Projektgruppen und interdisziplinäre Netzwerke die soziale Organisationsform.
  • Dem bisherigen „amtlichen“ Bildungskanon und den homogenen Disziplinen steht nun ein Theorien- und Methodenpluralismus gegenüber.
  • Während die Buchkultur das Ziel verfolgt, allgemeingültiges Wissen für alle, jederzeit und an jedem Ort bereitzustellen, zeichnet sich das posttypographische Bildungsideal sich durch ein fallbezogenes, pragmatisch, funktionales und fehlertolerantes Wissen aus, das maßgeschneiderte Lösungen bietet.
  • Das klassische Wissenschaftsideal bringt neues Wissen hervor, indem individuelle Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsleistungen verknüpft werden. Dem gegenüber steht nun ein Wissen, das aus der Vernetzung von Projekten (vom individuellen Lernen zur lernenden Organisation und Gruppe) entsteht.
  • Fortschritt ist im typographischen Zeitalter das Ergebnis von Akkumulation, Technisierung und Standardisierung; im posttypographischen Zeitalter jedoch das Ergebnis von Synergien, Vernetzungen und Globalisierung.
  • Das bisherige Wissenschaftsideal denkt in binären Oppositionen (entweder – oder), das veränderte Bildungsideal zeichnet sich durch fragmentiertes Denken, ein sowohl – als – auch, Intuition und emotionale Intelligenz aus.
  • Bisher – und das gilt auch für uns – wird auf Vorrat gelernt und instruktiv gelehrt, d. h. die Kenntnis setzt die Lösungen voraus. Das posttypographische Bildungsideal hingegen präferiert ein Lernen bei und nach der Praxis, bei dem Grundannahmen und Glaubenssätze nicht gelernt, sondern gerade verlernt werden.

Dass die von M. Giesecke herausgearbeiteten Charakteristika des posttypographischen Bildungsideales mit Social-Network-Tools auch „gelebt“ werden können (und müssen), liegt klar auf der Hand. Gerade unter diesem Aspekt kann die Arbeit mit den neuen Medien nicht nur revolutionär, sondern vor allem sinnvoll sein. Irgendwie scheint aber gerade unsere gesellschaftliche Realität in mancherlei Hinsicht genau andere Wege zu gehen und man fragt sich, ob es sich hier dann nicht vor allem um ein Konstrukt der Medien- und Kulturwissenschaften handelt, das sich irgendwie an die laufenden Entwicklungen nicht ganz anknüpft.

Wenn ich an den letzten Artikel in der Zeitschrift Spiegel (Nr. 2, 2010) zum Thema „Google“ denke, entsteht der Eindruck, dass das www, die weltweite Vernetzung usw. zu so ziemlich allem benutzt wird, nur nicht zur Wissensschöpfung oder zum Lernen. Was man über die Pläne dieses Konzerns und das übliche User-Verhalten liest, zeigt eigentlich nur, dass das www vor allem als große Konsummaschinerie genutzt wird und sich in Zukunft bald auch als die ultimative Lebenshilfe  etablieren könnte. Der Google-Chef Schmidt hat wohl angeblich auf einer Konferenz Folgendes verlauten lassen:

Unser Ziel ist, dass Sie eine Frage stellen, und Google gibt Ihnen die eine und immer richtige Antwort (….) [d.h. auf Fragen wie] Was soll ich morgen tun? Welchen Job soll ich annehmen? Was sagen Sie mir für meine Zukunft voraus?“

Siehe dazu auch folgendes You tube – Video

Nach posttypographischem Bildungsideal hört sich das nicht an, … , und wo solch ein Angebot überhaupt diskutiert wird, muss man ja auch eine Nachfrage vermuten. Wahr – oder – falsch / entweder – oder – Denken, lineare Darstellung, hierarchische Organisation und Lehre als Instruktion sind eben doch einfach bequemer und konsumierbarer. Das posttypographische Bildungsideal setzt aber eigenständig denkende, unabhängige Individuen voraus, die nicht eine vorgegebene Antwort auf Probleme erwarten, sondern mit der Bereitschaft zum Fehlermachen, viele Methoden und Wege gehen und die vor allem produzieren, nicht aber konsumieren wollen …

Posttypographische Bildungsideale I

Michael Giesecke beschäftigt sich in einem Aufsatz, erschienen in der Zeitschrift für Pädagogik H. 1, 2005, 14 – 29 mit posttypographischen Bildungsidealen (digital), deren Entwicklung er aus einer kulturellen und gesellschaftspolitischen Perspektive heraus beleuchtet.

Eine Auswahl seiner wichtigsten Thesen:

  • Bei tiefgreifenden sozialen und / oder technischen Veränderungsprozessen müssen die Kriterien für Wissen verändert werden, um die Überlebenschancen der nachfolgenden Generationen erhalten zu können.
  • Unsere Konzepte von Wissen und Lernen sind nicht für sich entstanden, sondern haben sich gemeinsam mit der Entwicklung der Medien herausgebildet.
  • Die posttypographische Bildungspolitik braucht folglich andere Konzepte von Wissen, Wissensschöpfung und Kommunikation.
  • Es geht aber nicht darum, einfach ein neues Leitmedium (nämlich das Buch) gegen ein anderes Leitmedium (digitale Kultur) auszutauschen, sondern beide als Knoten in einem multimedialen Netzwerk zu betrachten. Die Vision der Zukunft könne also nur in einem ökologischen Zusammenwirken vieler heteronomer Medien gesucht werden. Es muss um die Frage gehen, wie solch eine alternative Beziehungsgestaltung zwischen den Medien aussehen kann. Die Nische, welche die digitale Kultur benötigt kann offensichtlich nur auf Kosten der bislang genutzten Medien, Wissens- und Vermittlungsformen ausgebaut werden (eben auf Kosten des Buches und des face-to-face Learnings).
  • Nicht nur verändern uns die elektronischen Medien, sondern sie sind auch Ausdruck einer Veränderung der Gesellschaft, in der die Bedeutung von selbstreflexiven Formen individuellen und kollektiven Lernens zugenommen hat. Nicht mehr der individuelle Mensch ist (als Lehrer und / oder Schüler) das Subjekt und Objekt von Lehr- und Lernprozessen, sondern oft sind es heute soziale Systeme (d.h. Organisationen, Gruppen und Teams). Wie dies funktioniert, darüber gibt es noch keine Theorien usw.
  • Die Visualisierung in den Neuen Medien, befindet sich momentan noch in einer Phase der Abhängigkeit von den äteren Medien.
  • Die zeit-, personen-und raumgebundenen (objektiven) Wahrheiten der Buchkultur werden zugunsten funktional angemessener Informationen bzw. themen-, personen-und / oder professionsbezogenen, pragmatischen Wissens zurückgefahren. Allgemeingültigkeit von Wissen ist damit nicht mehr oberstes Ziel.

Bei der Lektüre des Artikels ist mir in vielerlei Hinsicht „ein Licht aufgegangen“. Ich glaube, ich habe auch zum ersten Mal verstanden, warum die Arbeit mit den neuen Medien (auch bei mir) immer von so viel Frustration begleitet ist. Diese Frustration beruht letztendlich nur darauf, dass wir auch an Quellen und Arbeiten im Netz unseren Wissenbegriff anlegen, der sich eben gemeinsam mit der Buchkultur entwickelt hat. Bisher habe ich selbst das Internet immer eher als eine Digitalisierung unseres Bildungskanons verstanden und war entweder von der ungeordneten Informationsflut und vielen nutzlosen Informationen genervt oder gefrustet, dass ich ausgerechnet das, was ich gerade suche, nicht finden kann. Jetzt merke ich immer mehr, dass ich das Internet bzw. das www eigentlich wie eine Bibliothek benutzen will, in der man die Reihen abläuft, einzelne Bücher herauszieht, in diese hineinschaut, ob man etwas Brauchbares findet und das Nicht-Brauchbare enttäuscht zurückstellt. Beim Internet subsummiert sich das dann einfach ins Unermessliche, denn anders als bei Büchern und Bibliotheken, in denen der Publikation immer noch der Kostenfaktor entgegensteht, kann im Internet ja so ziemlich jeder so ziemlich jede Information veröffentlichen. Zu diesem Thema oder „Wie frisst das Internet meine Zeit!“:

Die Sache ist also die: solange man das Internet und die dort vorhandenen Informationen vor allem nur als weitere Wissens- und Informationsquelle betrachtet, die man wie ein Buch durchblättert um zu lernen, also Buchwissen zu optimieren, fördert das Arbeiten mit  e-Medien einfach nur Frust, Plagiatswesen und die Reproduktion von altem, meist aufgeweichtem Wissen… M. Giesecke hat also absolut recht, wenn er behauptet, dass die neuen Medien nur unter einem veränderten Wissens- und Lernbegriffes, also neuen Bildungsidealen ihr Potential wirklich entfalten können.

Lesbarkeit und Bildlichkeit

Im 2. Kapitels von F. Hartmann „Multimedia“ (2008) zum Thema „Lesbarkeit und Bildlichkeit“, in dem es um die Überwindung der monomedialen Verfasstheit der westlichen Buchkultur geht, heißt es u.a.

Bilder sind leichter und schneller decodierbar, daher die tendenzielle Abwertung des Bildlichen. Auch das wissenschaftliche Ideal besteht zuvorderst darin, Phänomene zu verschriftlichen; Erkenntnisse werden meist als Texte publiziert, erst langsam finden mit der Systematisierung von Bildersprache im Informationsdesign neue bildliche Verfahren Akzeptanz. Die akademische Ikonographie, also die Beschreibung von Bildinhalten, bedeutet eine Angleichung alles Sichtbaren an das Lesbare.

und

Texte sind prinzipiell abstrakt – wer nicht lesen kann, erkennt nichts in ihnen. Bilder hingegen versprechen mehr Konkretion im Sinne der Gegenstandsähnlichkeit. Beide Verfahren der kulturellen Codierung haben Vor- und Nachteile; die Dominanz der Schriftlichkeit erzeugt auch eine neuzeitliche Denkform, welche Informationen, die nicht verbalisiert werden können, tendenziell abwertet oder verdrängt.

Ich bin mir nicht sicher, ob Bilder in jedem Fall  leichter und schneller decodierbar, also entschlüsselbar sind als Texte, ausgenommen Icons usw. Ich denke hier an mittelalterliche Ikonen, abstrakte Kunst, Fotomontagen etc. Hartmann hat natürlich absolut recht, wenn er behauptet, dass ein Analphabet in einem Text nichts erkennen kann, ein Bild in diesem Falle jedoch mehr Konkretion verspricht.

Z.B. erkennt man in diesem Bild die marmorne Statue eines nackten Mannes, die offensichtlich ziemlich stark beschädigt und in einem musealen Kontext aufgestellt ist. Aber mehr kann mir das Bild ohne weitere Informationen vermutlich nicht sagen: Ich kann auf diesem Bild zwar etwas Gegenständliches erkennen, aber wirklich entschlüsseln kann ich es nicht. Im Grunde hängt doch auch die Decodierbarkeit eines Bildes vom Wissen um die Entstehung des Bildes, der Erfahrung und dem kulturellen Background des Interpreten ab. Die Informationen, die für die Decodierbarkeit eines Bildes gebraucht werden, sind vermutlich über Texte dann doch wieder leichter zu gewinnen als über andere Bilder.

Dass das wissenschaftliche Ideal zuallererst darin besteht, Phänomene zu verschriftlichen, liegt wohl auch darin begründet, dass Sprache bei der Schilderung einer (subjektiven) Wahrnehmung einer Darstellung oder eines Bildes einfach notwendig ist. Was sollten denn all die Bildwissenschaften (wie die Kunstgeschichte usw.) machen, denen es ja vorrangig um die Decodierung von Bildern geht? Natürlich kann ich die Entwicklung – z. B. der griechischen Plastik des 6. und 5. Jhs. v. Chr. –  in einer Bildreihe aussagekräftiger Skulpturen abbilden, aber um jemandem diese Entwicklungslinie zu erklären, bedarf es der Sprache und um die Ergebnisse meiner Decodierung festzuhalten der Verschriftlichung. Es geht bei akademischen Ikonographie m. E. auch nicht um eine Angleichung des Sichtbaren an das Lesbare, sondern darum das (mir) individuell Sichtbare zu erfassen und auf diese Weise auch an andere zu kommunizieren. Nur so wird deutlich, auf welcher Grundlage ich meine Schlussfolgerungen und Interpretationen ziehe.

Umgekehrt wäre eine Beschreibung des Bildes, also ein archaischer Kouros von Samos mit der typisch schwammigen Körperfülle des inselionischen Stiles, ohne die Abbildung genauso wenig aussagekräftig. Nur in der Kombination erhält beides eine bestimmte Bedeutsamkeit, einen spezifischen Sinn. Am spannendsten wäre es, wenn auch der akustische Sinn noch angesprochen wäre, und damit auch die Atmosphäre im Museum (das Umherlaufen und die Gespräche der Besucher) wahrnehmbar wären. Hierin läge der große Vorteil von Multimedia, dass man jenseits der „abstrakten Askese von Schrift“ mehrere Sinne anspricht und verschiedene Wahrnehmungs- und Bedeutungsinhalte aufwertet. Es bleibt wirklich spannend, in welche Richtung genau diese Entwicklung gehen wird und wie diese auch die Wissenschaft und die Darstellbarkeit ihrer Ergebnisse beeinflussen wird …

Multimedia

Der Begriff „Multimedia“ (Multiple Content Media) wurde 1995 zum Wort des Jahres gekürt, ist also bereits seit fast 15 Jahren in der Umgangssprache fest etabliert. Seit 1993 existiert eine wissenschaftliche Konferenzserie, die ACM Multimedia (ACM-MM), deren Teilnehmer jährlich zusammenkommen und diverse Aspekte von Multimedia thematisieren.

Die Definition des Begriffes „Multimedia“ variiert dennoch nach wie vor  bezüglich bestimmter Teilaspekte, was sicherlich auch auf die beständige Fortentwicklung im Bereich der Digitaltechnologie zurückzuführen ist.

Nach F. Hartmann 2008 bezeichnet „Multimedia“  die Integration multipler Medienformate wie Text, Bild, Animation, Video und Audio, d.h. eine Information wird aus unterschiedlichen Kommunikationskanälen zusammengesetzt. Er unterscheidet zwischen monomodal kodierten und multimodal kodierten Rezeptionsmöglichkeiten. Monomodal bedeutet in Bezug auf eine Radiosendung, dass diese nur akustisch ausgestrahlt wird und damit nur über den auditiven Sinn rezipiert werden kann. Als multimodal ist hingegen die Webseite eines Radiosenders, auf der die Beiträge sowohl akustisch als auch visuell rezipiert werden können und damit zwei verschiedene Sinne angesprochen werden. Dies wird als technische Medienkonvergenz bezeichnet, d.h. die Techniken der Telekomunikation und des Computers sind miteinander verschmolzen. Die Digitaltechnik ist folglich die Betriebsgrundlage von Multimedia.

In weiteren Definitionen werden zusätzlich die Aspekte der Interaktivität und des Multitasking hervorgehoben und vor allem auf die Dimension der Anwendung abgehoben (vgl. folgenden Link)

Bei H. D. Luckhardt findet man eine ausführliche Begriffsdefinition, welche diese verschiedenen Aspekte miteinander zu verbinden versucht. Er spricht vom Multimedia-PC und erfasst die Dimensionen Multimedialität, Multicodalität, Multimodalität und Direktionalität:

1. Präsentationsmedien

  • PC
  • Radio
  • Fernsehen

2.Symbolsysteme

  • Text
  • Bild
  • Animation
  • Zahl
  • Note

3.Sinnesorgane

  • visuell
  • auditiv

4.Direktionalität

  • interaktiv

Nach dieser Definition muss von Multimedia stets dann gesprochen werden, wenn mindestens zwei Medien miteinander kombiniert werden (daher Multimedialität), wenn zusätzlich mindestens zwei Symbolsysteme verwendet werden (daher Multicodalität), wenn mindestens zwei Sinnesorgane angesprochen werden (daher Multimodalität) und wenn ein bestimmter Grad von Interaktivität vorliegt (Direktionalität).

Nach dieser Definition kann nicht  jede beliebige Kombination von Medien unter dem Begriff „Multimedia laufen“, also auch viele CBT’s usw. sind in diesem  konkreten Sinne gar nicht  „multimedial“ konzipiert. Diese Vergegenwärtigung ist schon allein in der Hinsicht nützlich, dass man (ich eingeschlossen) oft dazu neigt, den Begriff ziemlich inflationär zu gebrauchen …

Erstellen einer geführten Internetrecherche

Nachdem ich versucht habe, eine geführte Internetrecherche per MindMap zu erstellen, ein kurzer Bericht zu meinen Erfolgen bzw. Misserfolgen.

Das MindMap habe ich mittels FreeMind (gibt es kostenlos aus dem Internet herunterzuladen) erstellt: Thema ist die Entdeckung der Neuen Welt. Die Materialen im Internet zu finden, das MindMap zu erstellen, Bilder einzufügen und die Begriffe bzw. Zweige zu verlinken, war relativ einfach – wenn auch zeitaufwendig. Allerdings ist das langgestreckte Format der MindMap ziemlich ungünstig: die Anordnung der Zweige und Unterknoten ist einfach vorgegeben, nur die Abstände zwischen den Begriffen können manuell verändert werden.

Kompliziert wurde es erst, als ich versucht habe, dieses MindMap als Webseite zu exportieren. Ich war davon ausgegangen, dass ich es genauso wie es ist, in eine Webseite umwandeln und dann eventuell verkleinern kann, so dass man nicht auf dem Bildschirm herumscrollen muss. Allerdings ist mir dies nicht gelungen.

  • Exportiert man die MindMap als HTML erhält sich die MindMap nicht, sondern die einzelnen Zweige werden einfach untereinander gereiht.
  • Exportiert man die MindMap als XHTML (mit verlinktem Bild der MindMap) wird zwar das MindMap selbst erhalten, allerdings nicht der direkte Link auf die entsprechende Webseite. Stattdessen wird man auf die als Liste aufgeführten Links weiter unten verwiesen und kann erst hier den entsprechenden Begriff anklicken, also auch eher eine unbefriedigende Lösung.

Ich vermute, dass es hier noch irgendeinen Kniff gibt … leider war ich auch nach der Lektüre von Georges Murbach nicht schlauer bzw. bin ich der Lösung dieses Problems nicht näher gekommen. Vielleicht weiß jemand eine Antwort auf mein Problem bzw. hat einen Lösungsvorschlag?

Irgendwann habe ich es aufgegeben und stattdessen versucht, aus meinem Material einen Webquest mit google sites zu erstellen. Entgegen meinen Erwartungen ist das „technisch“ tatsächlich einfacher zu lösen…

Fernunterricht

Der Wissenserwerb über Fernunterricht kann eine echte Alternative für Weiterbildungen sein, da man räumlich und zeitlich unabhängig ist. Die Fernuniversität Hagen bietet bpsw. ein ziemlich umfangreiches Fach- und Kursangebot auch für HistorikerInnen. Hier wird das Internet allerdings weniger als Distributionsmedium genutzt (man bekommt die Kursunterlagen per Post zugeschickt), sondern eher für die lernbezogene Kooperation und Kommunikation. Letztere erfolgt über ein Moodle. Die Teilnehmer der einzelnen Kurse können unter einander oder mit den Dozenten über Chats und Diskussionsforen Kontakt aufnehmen und sich austauschen. Auch die Betreuung von Seiten der Kursleiter erfolgt über diese LMS oder einfach per e-Mail.

Bei Thomas Jechle, Formen des Tele-Lernens 19 (ist in den IKT-Ressourcen auf Moodle eingestellt), sind die Vorteile dieser asynchronen Form des Tele-Lernens folgendermaßen zusammengefasst:

Ein wichtiger Vorteil asynchronen Lernens besteht darin, dass die Lernenden selbst entscheiden können wann sie lernen (Lernzeitpunkt), wo sie lernen (Lernort), wie schnell sie lernen (Lerngeschwindigkeit) und wie intensiv sie lernen (Lerntiefe). Das Lernen kann so individuellen Bedürfnissen und Gegebenheiten angepasst werden.

Wichtigste Voraussetzung für Fernunterricht bzw. Tele-Lernen sind metakognitive Kompetenzen, wie Planung, Überwachung und Regulation des Lernprozesses. Am schwierigsten empfinde ich das Aufrechterhalten der Motivation, wenn man noch sehr viele andere Verpflichtungen hat. Tele-Lernen verführt einfach auch immer ein Stück weit dazu, dass man die zu erledigenden Aufgaben verschiebt, zumal die Kurse jeweils über ein Semester angelegt sind. Es fehlt einfach ein wenig „sozialer Druck“, der eben in Präsenzveranstaltungen ganz anders entsteht und vor allem wirkt als bei Kommunikationsformen im Internet. Da bei der Fernuni Hagen weniger online-Kurse zur Verfügung stehen, ist man beim Bearbeiten der Lernmaterialien – vor allem was die Zeiteinteilung anbelangt – doch etwas auf sich zurückgeworfen. Zwar sind die Lehrbücher auch in einzelne Kurseinheiten untergliedert, aber die Reihenfolge der  Bearbeitung obliegt einem selbst. Während hier die eigenen Einflussmöglichkeiten sehr groß sind, sieht es mit den technischen Problemen schon etwas anders aus. Beim erstmaligen Einloggen in meinen virtuellen Studienplatz bin ich gleich bei meinem Account-Password gescheitert. Aber Gottseidank 🙂 gibt es noch Telefon und nette IT-Leute, die einem dann mitteilen, dass das Problem am Server liegt und nicht an einem selbst ….

Vgl. auch den Ratgeber zum Tele-Lernen.

Online-Diskussionen

Bisher hatte ich noch keine rechten Erfahrungen mit online-Diskussionen, finde nun aber diejenigen auf Moodle  (für IKT und BP) ganz interessant: was am Anfang gewissermaßen ein „Muss“, da eine Aufgabe war, hat sich dann zu einer ganz spannenden Diskussion entwickelt, die man tatsächlich mit verfolgt und kommentieren möchte.

Der große Vorteil ist, dass man bezüglich seiner Beiträge in Ruhe überlegen und formulieren kann, anders als in einer realen Diskussion, in der man sehr gut vorbereitet sein muss oder unheimlich schnell reagieren muss. Viele wichtige Ideen oder Gedanken gehen dabei unter, weil sie einem nicht schnell genug oder an unpassender Stelle in den Sinn kommen oder im allgemeinen Gefecht einfach untergehen. Bei solch einer asynchronen Diskussion kann man sich ohne Druck intensiver beteiligen und ist auch zeitlich unabhängiger. Man liest und beantwortet die Beiträge vor allem dann, wenn man ein wenig Muße dazu hat. Das eigene Meinungsbild kann sich im Verlauf deutlich ändern, viel stärker als nach einer realen Diskussion, in der man meistens einfach von einem Faktum überzeugt wird. Indem man die Beiträge der anderen Forenmitglieder liest und kommentiert, werden stattdessen vielfach neue Aspekte offen gelegt, die dann wieder in das eigene Meinungsbild integriert werden können oder zu neuen Ideen führen. Gut finde ich auch, dass man „immer“ zu Wort kommt, ohne den anderen in seiner Redezeit einschränken zu müssen oder ihm ins Wort zu fallen oder „ihm das Wort im Mund herumzudrehen“ …

Von Nachteil ist, dass man Missverständnisse nicht gleich ausräumen kann, z.B. einen Begriff, den man vielleicht in einem anderen Sinn verwendet hat,  als der/diejenige, der kommentiert. Die Grundlagen sind manchmal einfach nicht diesselben, so dass es hin und wieder sinnvoll ist, den Begriff  im eigenen Beitrag von vornherein zu definieren. Überhaupt ist die Tatsache, dass man alles schriftlich macht, schon einmal in der Hinsicht schwierig, dass man sich beim vielen Posten manchmal selbst ein wenig zu widersprechen beginnt. Allerdings kann man natürlich, wenn Missverständnisse auftreten, wieder mit einer ausführlichen Antwort bzw. einem Beitrag reagieren. Und da wären wir beim zweiten Problem: mit der Zeit und steigender Beitragsanzahl wird der Beitrags – Antwort – Baum absolut unübersichtlich und man kann häufig die Zugehörigkeit einer Antwort zu einem Beitrag nur durch Herumscrollen herausfinden. Schon aus diesem Grund ist es sicherlich sinnvoll, solch eine Online-Diskussion zeitlich zu begrenzen, zumal man in den Unter-Unterantworten immer wieder eher über Detailfragen diskutiert.

Ich habe keine Erfahrung damit, wie und in welchem Maße die Netiquette in solchen Foren für gewöhnlich geachtet oder verletzt wird. Da es Anleitungen, wie diese gibt, treibt die Anonymität im Netz sicher hässliche Blüten. Andererseits ist die Anonymität sicher der beste Schutz bei Online-Diskussionen – ich denke da nur an Selbsthilfegruppen für Suchtkranke usw.

Anknüpfungsspaziergang

Letzte Stunde haben wir einen ziemlich interessanten Kurztest erlebt, einen sogenannten Anknüpfungsspaziergang: der Kursleiter hat auf verschiedenen Tischen A4-Blätter ausgelegt, auf denen Begriffe standen, die wir seit Kursbeginn immer wieder thematisiert hatten. Dazu gehörten folgende Begriffe und Aufgabenstellungen:

  • Erkläre den Unterschied zwischen einem GIF und einem JPEG!
  • Nenne drei Vorteile von Delicious!
  • Was bedeutet die Abkürzung RSS!
  • Was ist ein BLOG?
  • Was ist ein Moodle?
  • Was ist Ilias?
  • Was ist ein LMS?
  • Was ist ein PLE?
  • Nenne drei Grafikformate!
  • Nenne den Unterschied zwischen Web 1.0 und Web 2.0!
  • Typographie
  • Nenne den Unterschied zwischem einem PLE und einem LMS!
  • Was sagen dir diese Zahlen: 1024 x 768?
  • Beschreibe drei didaktische Szenarien für ein Wiki!

Anschließend sind wir in Zweiergruppen von Tisch zu Tisch gegangen und haben diskutiert, was wir über diese Begriffe noch wissen und schließlich unsere Ergebnisse notiert. Nachdem die Runde abgeschlossen war,  konnte man beim Kursleiter  nach noch unklaren Begriffen usw. fragen. Mal abgesehen davon, dass auf diese Weise eine Selbstüberprüfung (auch im Hinblick auf eine anstehende Prüfung) möglich war, hatte ich auch insofern ein AHA-Erlebnis, dass mir klar geworden ist, wie man als LP kompetentes Verhalten wie Selbständigkeit und Selbstverantwortung fördern kann. Dazu gehört ja letztendlich auch, dass man SuS die Fähigkeit vermittelt, eigene Wissenslücken zu erkennen und gezielt zu schließen. Dies ist durch eine solche Anknüpfungsrunde ohne weiteres möglich: zumindest erkennt man die Wissenslücken, die noch bestehen.

Eine weitere Möglichkeit wäre zu Beginn jeder dritten Lektion einen Kurztest zu schreiben, in dem man 5 Fragen stellt, die möglichst knappe Antworten verlangen (Tip von unserem Fachdidaktiker!). Anschließend werden die Antwortzettel dem Banknachbar weitergegeben und überprüft. Offene Fragen können ebenfalls im Anschluss geklärt werden. Baut man derartige Anknüpfungsrunden oder Tests regelmäßig ein, kann man für seinen eigenen Unterricht eine regelrechte „Kultur der Festigung und Wiederholung“ initiieren.

Es gibt sicher noch andere Möglichkeiten, auf spielerische und abwechslungsreiche Art, derartige Wissensüberprüfungen und Repetitionen einzubauen: z.B. die ABC-Methode. Wichtig ist, dass es sich nicht nur um ein stures Abfragen des Stoffes handelt, sondern dass weitere Aktionen (z.B. Aufstehen, Umherlaufen, in 2er Gruppen diskutieren oder Peer-Assessment usw.) zur eigentlichen Stoffwiederholung hinzukommen. Für meine Fächer Latein (siehe vor allem das Thema „Vokabeln-Lernen“) und Geschichte (siehe wichtige Daten und Fakten) empfinde ich das als sehr sinnvoll.